Nach langem Überlegen, veröffentliche ich heute dieses Post. Was ich hoffe, ist ehrliche und vor allem taktvolle Meinungen zu hören, Anstoß und Anregung zu geben und anderen die die Dinge vielleicht ähnlich sehen, wissen zu lassen, dass sie nicht alleine sind. Wie man so schön in englisch sagt- you are enough!- genauso wie Du in diesem Moment bist. Herzlichst, Angela
Viele Gedanken, oh so viele Gedanken, sind in den letzten Woche durch meinen Kopf geschwirrt. Selbstzweifel, Zukunftsängste, Unverständnis, Wut und Enttäuschung...ein bunter Mix an Emotionen. Ich weiß nicht genau warum, aber in den letzten Wochen fühlte ich urplötzlich einen unwahrscheinlichen Druck auf mir. Ich war beinahe wie besessen mit dem Gedanken, dass ich Arbeit finden muss, und wie ein anständiges Mitglied unserer Gesellschaft, Geld verdienen muss. Es mag vielleicht an den Blicken liegen die ich kassierte, jedesmal wenn ich gefragt wurde was ich derzeit beruflich mache. Es half natürlich nicht, dass bei der online Suche nur Mini-job Anzeigen für Putzstellen oder Regale auffüllen zu sehen waren. Je mehr ich suchte, umso deprimierter wurde ich. Um so mehr kam der schleichende Gedanke auf, ist das alles?? Ist das alles was man mir noch anzubieten hat? Hier ist die Wahrheit: ich habe kein Interesse daran Vollzeit zu arbeiten. Ja, ich gehöre zu der aussterbenden Art von Mutter, die es als wichtiger empfindet, dass jemand am Nachmittag zu hause ist, wenn die Kinder kommen. Das ist mein Vollzeitjob. Ich möchte mich nicht gezwungen fühlen, eines oder beide meiner Kinder in eine Nachmittagsbetreuung zu geben, nur um den vorgegebenen Zeiten eines Arbeitgebers gerecht werden zu können. Meine Kindheit war das perfekte Beispiel, wie es ist wenn niemand am Nachmittag zu hause ist. Schule, danach Hort und dann selbst um 5 Uhr Nachmittags immer noch in eine leere Wohnung zu kommen und dort 10 DM für McDonalds, und somit mein Abendessen vor zu finden. Diese Situation hat über die Jahre variiert, aber ich erinnere mich genau daran wie sehr ich es genossen habe, wenn ich nach der Schule zu einer Freundin mit nach Hause gegangen bin und dort die Mutter Mittagessen gekocht hatte und mit uns am Tisch saß und aufmerksam zuhörte und auch Fragen stellte.
Selbiges möchte ich meinen Kindern bieten. Sicherlich wird sich die Art und Weise wie sie mich brauchen mit den Jahren ändern, aber dennoch finde ich es wichtig, dass sie wissen und sehen...da ist jemand. Ich weiß, bei vielen Familien geht es nicht immer anders...meine Mutter war selbst viele Jahr allein erziehend. Ich bin mir auch bewusst, dass manch andere einfach auch gerne arbeiten und den Anschluss nicht verlieren wollen. Und all das ist auch okay. Was ich so traurig finde, ist dass wenn man sich aber anders als die Masse entscheidet, man in Schubladen gesteckt wird und scheinbar weniger gut ist als der Rest. Ich habe den Fehler gemacht und mal gegoogelt "Ist es so schlimm einfach nur Mutter sein zu wollen?" und fand mich in einem Forumsthread wieder. Jetzt wünschte ich, ich hätte diesen nie gelesen. Warum sind wir Mütter eigentlich manchmal so grausam zu einander? Warum dieser Wettbewerb? Warum kann man sich nicht einfach darauf einigen, dass Jeder so leben kann wie er will, ohne dass man sich deswegen schlecht fühlen muss?

Diese arme Mutter, die es wagte oben genannte Frage öffentlich zu stellen, würde dermaßen auseinander genommen, es war herzzerreißend! Als Schmarotzer wird man da bezeichnet, weil man ja kein Geld ins System bringt und sich von seinem Mann haushalten lässt, schämen sollte man sich vor seinem arbeitenden Mann, ob man Applaus und eine Medaille erwartete, weil man Hausfrau spielt? Da wurde sich gebrüstet von den arbeitenden Müttern, wie sie all das und mehr leisten, wie es den Kindern überhaupt keinen Abbruch tut so viel allein zu sein, sondern zur Selbstständigkeit erzieht und so weiter. Bevor ich diesen Thread las, kreisten meine Hauptgedanken mehr um Rente und Absicherung, aber nun hatte ich einen ganz neuen Schwung an so genannten Gründen warum ich den bloß schleunigst ins System zurückkehren sollte. Ich hatte keine Ahnung, dass es so verhöhnt ist, sich hauptsächlich seiner Familie widmen zu wollen! 1:0 für Amerika, dort hab ich diesen Druck nie gespürt!
Ich kämpfe innerlich sehr mit dem System. Ich konnte es noch nie verstehen, wie man von einer 16 oder 18 jährigen Person erwarten kann, einen Beruf auszuwählen, den man dann für den Rest des Leben machen soll. In diesem Alter wusste ich kaum wer ich selber bin, geschweigeden was mir wirklich Freude bringt. Und selbst das was mir Freude brachte, wurde auch oft nieder geredet, weil immerhin waren das keine Berufe die monatlich große Summe auf mein Konto bringen würden. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber heute wüsste ich eine Menge Berufe die mir wirklich Freude bringen würden, die mich aber vor 20 Jahren überhaupt nicht interessiert hätten. Ein Mensch wächst doch über die Jahre in seiner Entwicklung und somit auch seine Vorlieben und Interessen. Warum wird es einem dann hier so schwer gemacht, Berufe zu wechseln? In Amerika ist das gang und gäbe, und es ist sehr normal das Leute in ihren Dreißigern, Vierzigern nochmal aufs College gehen und sich neu orientieren. Es ist doch selten der Fall, dass ein Job einen fürs Leben ausfüllt.
Nun ist mein Fall grundsätzlich ein wenig anders, weil ich mit 25 Jahren nach USA gegangen bin, dort etwas als Kellnerin gejobt habe, ehe ich zwei wundervollen Jungs das Leben schenkte und mich in den letzten Jahren ihrer Erziehung gewidmet habe. In Amerika gibt es keine öffentlichen Kindergärten, Kinderbetreuung dort kostet ungefähr das Dreifache! Mein Mann war in all den Jahren immer in anderen Ländern oder einer anderen Stadt am arbeiten und kam nur alle paar Wochen, oder am Wochenende nach Hause. Ich hatte keine Familie dort...ich war der alleinige Care taker meiner Kinder. Es wäre als nahezu unmöglich gewesen für mich in diesen Jahren zu arbeiten und hätte aus finanzieller Sicht allein, überhaupt keinen Sinn gemacht. Es ist aber natürlich nicht so, dass ich grundsätzlich nicht arbeiten will. Im Gegenteil, ich würde gerne ein paar Stunden in der Woche etwas leisten, aber ich möchte, dass es etwas ist das mir Freude bringt und mich nicht zwingt Abstriche in Sachen Familie zu machen. Etwas das zu viel verlangt ist, wie viele sagen. Ich war so so happy, als ich dann die Welt der Massage entdeckte und mich bei einer Schule einschrieb und über die nächsten 2 Jahre immer wieder mal an Kursen teil nahm und somit auf mein Staatszertifikat hin arbeitete. Es ist ein Beruf der mir wirklich Freude bringt, vorallem weil Energie-Arbeit in diesen Kreisen sehr offen gegenüber gestanden wird und viel Anklang und Verwendung findet. Die Nachfrage für Massagen ist, anders als hier in Deutschland, sehr groß in Amerika, und so war es kein Problem mich mit einer mobilen Praxis selbstständig zu machen und meine eigenen Arbeitszeiten zu regulieren. Glücklicherweise waren vieler meiner Kunden Hauptsächlich an Reiki interessiert und ich werde nie das unsagbare Glücksgefühl vergessen, als ich das 1.Mal eine bezahlte Session an einem Kunden vollbrachte. Ich war so glücklich etwas zu machen, dass ich wirklich liebte. Und sorry, ein Bürojob hat mir nie so ein Gefühl vermittelt. Leider sehen die Jobmöglichkeiten hier diesbezüglich gar nicht gut aus.

Ich bin absolut überzeugt von dem Gesetz der Anziehungskraft und ich wusste, ich tue mir nichts Gutes bei all meinem negativem Denken. Und so entschloss ich mich vor kurzem, dem einen Riegel vorzuschieben. Denn die Wahrheit ist, ich muss nicht ins System passen. Ich weiß es geht auch anders und anstatt mich verrückt zu machen darüber was andere von mir aufgrund meiner Entscheidung denken mögen, versuchte ich die Tatsache, dass ich diese Freiheit habe, zu zelebrieren und zu genießen. Ich weiß, dass der Fakt ob ich derzeit einen Job ausübe oder nicht, mich nicht als Person definiert. Und ich weigere mich, mir von der Gesellschaft anderes einreden zu lassen!
Ich weiß, ich habe noch vieles zu geben, und werde so tun wenn die Zeit reif ist. Ich lerne weiterhin, verfolge neue Ziele. Ernaehrungsberatung, Heilpraktiker, ein eigenes kleines Massagestudio....wer weiß, was die Zukunft für mich bereit hält. Innerhalb weniger Tage, nachdem ich bewusst aufhörte mich schlecht zu machen und stattdessen zu affirmieren, dass der richtige Job letztendlich irgendwie zu mir findet, lernte ich eine Tierärztin kennen, deren Pferde ich an ein paar Tagen in der Woche versorgen und reiten werde. Während unseres Gespräches bei einer Tasse Tee, bot sie mir dann an in naher Zukunft in Form eines Minijobs in ihrer Praxis zu arbeiten! In der Zwischenzeit versuche ich einen Teil meiner freien Zeit für was Gutes zu verwenden und werde bald ehrenamtlich bei einer Behinderteneinrichtung tätig sein.
Den Punkt den ich versuche zu machen ist: jeder sollte die Freiheit haben, seine Leben so zu leben wie er möchte, so lange er niemand anderen dabei schadet. Menschen täten gut daran, Andere nicht danach zu beurteilen was ihr sozialer Status ist, sondern nach dem was sie als Mensch ausmacht. Nicht ein und derselbe Weg funktioniert für alle....das sollte man spätestens bei dem Schulsystem feststellen. Es gibt so Einiges das verbesserungswürdig wäre in den oben genannten Bereichen.
Denn ich bin mir sicher, selbst wenn ich z.b. einen Minijob in einer Bäckerei oder Ähnliches hätte, gäbe es immer noch die Menschen die darüber spotten würden, für die das nicht genug wäre. Heutzutage muss es anscheinend alles oder gar nichts sein: die fette Karriere machen und die Kinder mal eben so nebenher erziehen, wenn Kinder denn überhaupt noch erwünscht sind. Mein Cousin (27) erzählt mir immer wieder wie geschockt er ist, dass wenn er ein Date hat, ihm die Mädels manchmal am ersten Abend ein "Ich will keinen Kinder haben! Ich will Karriere machen!" um die Ohren knallen. Es macht mich nachdenklich...so ein Denken, so ein Verhalten.
Aber dann wiederum, räume ich jedem ein sein Leben so zu leben wie er möchte...ich wünschte mir nur, die selbe Toleranz würde für alle gelten.