Donnerstag, 8. August 2013

Flimmerfrei


Hallo ihr Lieben! Medien und Kinder. Ist das auch ein Gesprächsthema bei Euch zu Hause? Wir haben vor 4 Jahren den Entschluss gefasst dem herkömmlichen Fernsehprogramm "Ade" zu sagen. Ich weiß ja nicht wie es euch hier in Deutschland in den letzten 10 Jahren ging, aber in Amerika hatte man sooo viele Kanäle zur Auswahl und bis auf zwei oder drei Sender, grenzte das Programm an Volksverblödung. Was letztendlich die Spitze des Eisbergs für mich war, war als eines Nachmittags Werbung für eine neue Show gemacht wurde. Diese Show nannte sich "Dance your ass off!", denn übergewichtige Menschen sollten sich dort durch verschiedene Tänze die Pfunde runter schwitzen. Vielleicht sehe ja nur ich das so, aber ich fand das sehr erschreckend. Dass das zur Schaustellen dicker Leute als Entertainment galt, eine Show so einen Titel tragen konnte und dazu noch am Nachmittag dafür geworben wurde, wo (mein damals kleiner) Großer ja diese Worte aufschnappen konnte. All diese Reality Shows, all dieser Mord und Totschlag....wir haben uns als Familie bewusst dagegen entschlossen und der Entertainmentindustrie in dem Bereich den Rücken zugedreht.

Wir haben uns dadurch nicht nur monatlich 80 Dollar gespart (ja, ihr habt richtig gelesen), sondern haben endlich die Freiheit entdeckt unsere Gemüter wirklich nur mit dem zu füttern, was wir als angenehm, lehrreich und inspirierend empfinden. Ich falle definitiv unter was man eine highly sensitve Person nennt (man bemerke vor allem Punkt Nr.3). Obwohl ich als Teenager sicherlich den einen oder anderen Horrorfilm (wer erinnert sich noch an "Scream"!?) gesehen habe, konnte ich die Faszination, sich freiwillig teilweise echt blutrünstiger Bilder anzusehen, nicht wirklich nachvollziehen. Ich habe nun seit Jahren keinen Horrorfilm gesehen und bin auch sonst sehr wählerisch in meiner Filmauswahl. Mir gefällt das innerliche Gefühl, diese herunter gezogenen Energie, die so viele gewaltvolle Filme in mir hinterlassen, einfach nicht. Wenn ich mir etwas ansehe, dann möchte ich, dass es mich inspiriert, das es mich neue Dinge lehrt, mich fasziniert mit seinen Bildern und Geschichten, mich einlaed für eine Weile in eine magische wundervolle Welt abzutauchen. So war es für mich als Kind, und genau das möchte ich auch für meine Kinder. Sie haben somit in den letzten Jahren ausschließlich ausgewählte Sendungen (wir hatten ein Netflix-Abo) und DVDs geschaut. Wir haben über Youtube die wundervollen Geschichten von Laura's Stern, Lars dem Eisbären und Yakari schätzen und lieben gelernt. Dies sind Sendungen die ich meine Kinder bedenkenlos sehen lassen kann. Mir ist es einfach wichtig, dass wenn sie mal etwas schauen es auch wirklich kindgerecht und ansprechend ist.



Und falls ihr Euch jetzt fragt, ob es schwer ist ohne Fernsehen zu leben, ist ein klares Nein die Antwort. Zumindest für uns. Uns hat er nie gefehlt (naja, vielleicht meinem Mann 2-3 mal für einen großes Sportereignis). Heutzutage kann man sich über das Internet doch bestens mit dem versorgen was man wirklich sehen möchte. Ich finde, die ganze Energie im Zimmer ist anders, wenn da nicht so ein großer Kasten der Mittelpunkt ist. Plötzlich ist da viel weniger Ablenkung, viel weniger sinnlose Berieselung, dafür  aber mehr kostbare Zeit zusammen verbracht.
Ein weiterer großer Pluspunkt ist das unsere Kids derzeit noch sehr frei vom Werbeeinfluss sind. Mein Großer wusste bis vor wenigen Monaten nicht, was ein McDonalds ist ( dann hat er angefangen jegliche Schilder zu lesen und Fragen dazu zu stellen). Wusstet ihr dass das durchschnittliche Kind 8.000 Werbespots in seiner Kindheit sieht? Und deren Einfluss ist wirklich nicht ohne. Die paar Male die wir in Hotelzimmern verbracht haben und TV an hatten, hat uns dies dann immer wunderbar vorgeführt. Da wurde Werbung für Spielzeug XYZ gemacht und sofort wurde daraufhin geschrien, das müsse man unbedingt haben, oder beim nächsten Einkauf wurden wir von unseren Kindern beraten, dass der Käse mit der Micky Mouse drauf doch viel besser ist. Immerhin haben sie das im Fernsehen gesehen und von daher muss es doch stimmen, nicht wahr?

Ich liebe gute Filme und bin der festen Überzeugung, dass mit ein wenig Kontrolle und Vorsicht, Sendungen eine Bereicherung sein können und auch die Fantasie anregen können (siehe Yakari Post). Während der Schulzeit sah es bei uns so aus, dass nur am Wochenende Sendungen gesehen werden durften. Jeden Freitag ist bei uns abwechselnd entweder Movie- und Popcorn night oder Pizza- und Spieleabend. In den Ferien sehe ich das natürlich nicht so eng, und sie dürfen fast täglich was sehen. Ich habe allerdings beobachtet, dass sich täglicher Konsum bei meinen Jungs sofort aufs Spielverhalten auswirkt. Sie haben dann selten den eigenen Antrieb zu spielen, sich Geschichten dabei auszudenken und einfach kreativ und fantasievoll zu sein. An Tagen wo sie kein fernsehen, beobachte ich das nicht so oft. Habt ihr das auch schon mal bemerkt?



Da wir derzeit bei meiner Mutter wohnen, haben wir Zugriff auf alle Programme. Leider scheint sich das Kinderprogramm in Deutschland auch etwas verändert zu haben, oder? Ich erinnere mich an Sendungen wie "Ein Heim für Tiere", "Neues vom Suederhof", "Die Kinder vom Alstertal" usw.
Gibt es überhaupt noch was Vergleichbares?
Interessant ist für mich auch, dass selbst wenn ich einen Fernsehen vor mich habe, ich nicht wirklich viel mit anfangen kann. All die großen Sender interessieren mich wirklich kaum, es sind die kleinen örtlichen Sender deren Dokumentationen mich hin und wieder in ihren Bann ziehen. Ich bin definitiv ein Dokumentationen-liebhaber und kann ganz gefesselt Natur- und Tierdokumentationen ansehen. Meine Kids übrigens auch!

Eine zum Thema passende Dokumentation die ich euch ans Herz legen kann, nennt sich "Consuming kids: the commercialization of childhood". Dort wird genau gezeigt mit welchen Tricks die Medienindustrie versucht, die Kaufkraft von Kindern und lebenslange Markentreue zu gewinnen.Ganz schoen interessant, aber auch erschreckend, was da genau vor sich geht.



Mein Mann würde nun in Deutschland doch gerne wieder TV haben, da er denkt, es würde ihm bei lernen der Sprache helfen. Es wird interessant sein zu sehen, wie sich das letztendlich in unseren Alltag einfügt.
Ich bin mir jetzt schon sicher, dass der Fernsehen sehr wenig Nutzen bekommen wird ;o)

Wie handhabt ihr das bei euch zu Hause? Schaut ihr viel und gerne? Was macht ihr ähnlich oder anders? Ich freu mich von euch zu hören!


P.S. Bevor ich euch nun langweilige Fotos von einem Fernseher hier rein poste, habe ich lieber ein paar Fotos von Kalifornien genommen ;o)

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen Post. Das Thema steht bei mir auch noch auf der Blog-Liste, aber jetzt kann ich mich ja einfach mal hier "einklinken".
    Die Kindersendungen, die ich bislang so im Fernsehprogramm vorgefunden habe, fand ich zum allergrößten Teil unmöglich. Viel zu viel wirklich blödsinniges Zeug und Gewalt. Ja echt, kaum eine Kindersendung, die ohne Gewalt auskommt. Oder den Kindern wird irgend eine "must-have"-Scheinwelt vorgegaukelt, bei der es mich einfach nur schüttelt.
    Bob der Baumeister geht vielleicht noch - und natürlich Yakari, läuft aber momentan gerade nirgends, wir haben deshalb die DVDs angeschafft.
    Dem kleinen Reisebären bekommen die "normalen" Kindersendungen sowas von gar nicht, er wird ganz irre davon und fürchtet sich auch.
    Miss Undercover hat bislang in ihrer Zeit bei uns erst einmal mit Kathi unser "Deelen-Kino" genossen: Wir haben so einen Beamer in der Deele, damit kann man DVD auf der großen weißen Wand anschauen, fast wie im "echten" Kino. Das war nett, es gab "Lauras Stern".

    Ansonsten haben wir TV-Konsum auf ein absolutes Minimum reduziert. Die Kinder dürfen ab und zu mal bei wirklich üblem Wetter eine DVD anschauen - das normale Programm bestreiken wir mittlerweile.

    Tagsüber läuft das Teil grundsätzlich nicht, da sollen sie bitte selber spielen und sich etwas ausdenken. Was ganz witzig ist, sind ein paar Sing- oder Tanz-Spiele auf der WII, die werden dann schon mal bei anhaltend schlechtem Wetter auch mal herausgekramt. Die WII haben wir mal für die großen Mädels angeschafft - eben wegen dieser Spiele.

    Die Bereitschaftspflegekinder, die hier so stranden, haben damit ein wirklich ernsthaftes Problem, weil sie genau das nie gelernt haben.
    Die hatten nämlich üblicherweise einen Fernseher in ihren Kinderzimmern - finde ich persönlich ein echtes Unding.

    Miss Undercover (9 Jahre) hat doch tatsächlich erst vor ein paar Tagen herausgefunden, dass es richtig nett sein kann, etwas vorgelesen zu bekommen. Das geht immer, das mache ich auch immer gerne. Herr Reisebär liebt das Vorlesen sehr.

    Es gibt eine Menge netter Dinge zu tun, die bestimmt viel mehr Spaß machen und den Kindern mit Sicherheit mehr Zufriedenheit bieten als "Glotze".

    Findet das
    LandEi

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  2. Oh, wir haben auch keinen Fernseher! Schon als Kind gab es in unserer Familie keinen - mein Mann konnte es sich anfangs nicht vorstellen, ohne TV zu leben - in seiner Familie bzw. wohl in seinem ganzen Heimatland (bin bös, ich weiß) läuft die Kiste den ganzen Tag lang. So nervig!! Vor allem während dem Essen find ich das mehr als nur überflüssig - die Gesprächskultur geht da den Bach runter.
    Jedenfalls: wir haben keinen TV, schauen aber gerne Filme. Anfangs hatten wir einen alten TV und einige Dvds, dann ging der kaputt und jetzt leihen wir Filme online (i-tunes), das funktioniert hervorragend. Ein Mal die Woche "gönnen" mein Mann und ich uns das oder wir schauen was auf arte, zdf usw. in der mediathek.
    Die Kinder schauen ab und an ein, zwei Filme auf youtube, da findet sich immer wieder was. Sehr beliebt ist Pippi Langstrumpf und wir nutzen es auch um Filme in der "Papa-Sprache" zu sehen, da gibt es unglaublich nette (die eigentlich fast ohne Sprache auskommen: Bolek&Lolek ist sowas), sehr alte schon und aber die Kinder mögen es sehr gern.
    Mein Mann hat Deutsch übrigens am besten mit mir gelernt ;-) (und im Deutschkurs, im Kontakt mit Menschen und beim Lesen - TV eher nicht *zwinker*).
    Alles Liebe. maria

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    1. Das selbe hab ich ihm auch gesagt, Maria. Aber Du weißt ja wie Männer sind ;o) Ich lass ihm die Freude, wie gesagt, weiß ich jetzt schon das wir da eh kaum vor sitzen werden.
      Also während des Essens muss das auch nicht sein, da geb ich Dir vollkommen Recht! Es würden wirklich viel Gespräche und besondere Momente verloren gehen.

      Bolek&Lolek hab uebrigens selbst ich als Kind gern gesehen :o)


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  3. Liebe Angela,

    ich musste mir zu dem Thema auch schon mal meine Frust und meine Angepiekstheit von der Seele schreiben: http://seltenartig.blogspot.de/2012/06/muss-frau-sich-wirklich-rechtfertigen.html

    wir haben seit über 18 Jahren keinen Fernseher mehr. Unsere Kinder sind inzwischen 10, fast 12, fast 15 und über 24... und ich würde sagen, sie haben gut gelernt auszuwählen und auf DVD nur zu schauen, was ihnen gut tut. Auch so ein merkwürdiges Argument, dass Kinder den Umgang nicht lernen würden, wenn sie (fast) keine Gelegenheit hätte fernzusehen. Die beiden Jüngeren haben inzwischen jeder eine (amerikanische ;-) Lieblingsserie, die sie ab und an sehen. (Unsere kleine Farm bzw. Bonanza) Heute ist es ja nicht schwierig, einen Film auch ohne Fernseher zu sehen. Vor 18 Jahren sah das schon noch anders aus.

    Und obwohl wir keinen Fernseher und kein Radio haben, müssen wir in Deutschland seit diesem Jahr 17.98 Euro monatlichen Rundfunkbeitrag bezahlen.

    Liebe Grüße
    Nula

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    1. Liebe Nula,

      ich hab mir grade mal Dein Post durchgelesen und musste über den guten Herrn bei Sky schmunzeln. Uns ging es ähnlich, als wir nämlich unseren Receiver bei der Kabelfirma damals wieder abgaben, konnte der gute Mann einfach nicht glauben, dass wir freiwillig das Fernsehen aufgeben. Er hat uns wieder und wieder angeboten, dass wenn es an finanziellen Probleme läge, wir etwas am Preis machen könnten. :o)

      18 Jahre ist wirklich beeindruckend! Ein Witz hingegen ist, dass man dennoch GEZ bezahlen muss. Es scheint die deutsche Bürokratie hat sich zumindest in den letzten 10 Jahren nicht geändert ;o)

      Liebe Grüße,
      Angela

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  4. Ich habe zwar (noch) keine Kinder aber auch bei mir gibt es seit Jahren keinen Fernseher. Als ich nach Deutschland gezogen bin wollten mir gleich 5 Leute ihren nicht mehr gebrauchten Fernseher schenken und konnten nicht verstehen wie ich ohne Fernseher überleben kann.

    Ganz ehrlich gesagt hat mich das Fernsehprogram hier in D wenn ich mal bei meinder Mutter oder meinen Patenkindern war sehr geschockt. Von den guten alten Sendungen und Zeichentrickfilmen mit denen ich aufgewachsen bin (und etwas gelernt habe) gab es nichts mehr und mit den heutigen Zeichentrickserien für Kinder kann ich schon mal gar nichts anfangen. Wenn ich dann sehe das bei meinem Bruder der Fernseher den ganzen Tag laeuft dann ...

    Ich selbst sehe gerne Filme, aber wenn dann auf DVD über den PC. Was ich gemerkt habe ist dass ich im Gegensatz zu meiner Zeit in England jetzt doch wesentlich weniger DVD's schaue. Habe ich in England 1 oder 2 in der Woche geschaut, habe ich hier seit Monaten meine DVS's nicht angerührt. Ein Grund ist mit Sicherheit die Tatsache das ich nun einen grossen Garten habe und in England nicht und bei schlechtem Wetter nehme ich ehr ein Buch in die Hand oder stricke...

    Meine Patenkinder sind öfters bei mir nun das ich wieder hier bin (meistens Freitags) und kommen mit der Tatsache das es kein Fernsehn gibt wunderbar aus, im Gegenteil sie finden es schoen das es dann Gesellschaftsspiele gibt oder ich mal 'ausgefallene' Dinge mit ihnen mache wie basteln.

    Mich nervt die Tasache das ich die GEZ jetzt bezahlen muss für etwas was ich nicht nutze, das ist der einzige Nachteil...

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